Vereinschronik TUS Saxonia von 1883 e.V.

TUS Saxonia als einer der ältesten Münsteraner Sportvereine ging aus drei ehemals eigenständigen Clubs hervor. Am 29. September 1883 wurde der „Turnverein Westfalia“ gegründet und bereits ein Jahr später war man Mitglied der „Deutschen Turnerschaft“. Das Training fand zunächst in Wirtshaussälen statt und ab 1897 fungierte dann das „Altbierrestaurant Wilhelm Feldner“ auf der Hörsterstraße als Vereinslokal. Bei Wettbewerben des Gaues, Kreises und der „Deutschen Turner“ nahm Westfalia mit großem Erfolg teil.

Ebenfalls 1897 gründeten abtrünnige Mitglieder von Westfalia den „Turnverein Jahn“, der seine sportliche Heimat alsbald im „Servatihof“ fand. Zwar beteiligten sich auch die Mitglieder des „Jahn“ an Turnwettbewerben, jedoch sprechen Chronisten von stetigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die historische Fahne, die heute restauriert im Vereinsheim hängt, stammt aus dieser Zeit.

Schließlich entstand im Jahre 1909 die „DJK Saxonia 09“, gegründet von Mitgliedern des katholischen Arbeitervereins Münster-Ost. Zehn Jahre später stießen Sportler der Jungmännervereine der Pfarren Herz-Jesu und St. Mauritz hinzu, so dass man fortan als „Vereinigte Turnerschaft Münster-Ost“ firmierte. Der Turnbetrieb fand in der Overbergschule statt und das Sportgelände des Vereins lag auf der Loddenheide. Die „DJK Saxonia 09“ hatte von Anfang an eine Fußballabteilung, damals noch ein Sport, der erst um seine Anerkennung kämpfen musste. Bis zum ersten Weltkrieg nahmen die Fußballer nicht an einem Ligabetrieb teil, man trug stattdessen Freundschaftsspiele auf den damaligen Sportplätzen Loddenheide und Maikotten aus. Im Krieg und in den Jahren danach ruhte der Ball aus nachvollziehbaren Gründen.

Dem Namensgeber der August-Schepers-Straße, an der das heutige Vereinsgelände des TUS Saxonia liegt, ist es zu verdanken, dass dann ab 1920 aus einer Müllhalde in Eigenarbeit der Mitglieder ein Sportplatz mit Spielfeld, Laufbahn, sowie einer Sprung- und Kugelstoßanlange entstand. Kaplan Schepers von der Herz-Jesu – Gemeinde sorgte zudem für die Errichtung eines Vereinsheims mit Wirtschaftsraum, einem Saal, einer Kegelbahn, Umkleideräume mit Duschen, einem Rittersaal und einem Schießstand. Damit war der Verein seiner Zeit zunächst weit voraus, zumal er als einer der ersten über eine „Flutlichtanlage“ verfügte. Das waren zwar nur zwei Scheinwerfer, immerhin ermöglichten sie aber Trainingseinheiten in den dunklen Jahreszeiten. Die Einweihung der Anlage geschah am 15. Juli 1927. Kurz darauf wurde aus der „Vereinigten Turnerschaft Münster-Ost“ wieder „DJK Saxonia 09“.

Der Spielbetrieb der 20er-Jahre fand in der „Gauklasse“ statt, Saxonia konnte mehrfach die Meisterschaft erringen.

In den dreißiger Jahren zählte der Verein dann zu den stärksten DJK Vereinen des Rhein-Weser – Kreises. Besonders die Leichtathleten ragten heraus, regionale und überregionale Wettbewerbe wurden bestritten und vielfach gewonnen. Besonders erwähnenswert war Gustl Weinkötz, er war der erste deutsche Hochspringer, der die 2m-Marke übersprang.

Auch die inzwischen gegründeten Fuß- und Handballabteilungen konnten Erfolge verbuchen.

Als „Deutsche Jugend Kraft“ – Verein wurde DJK Saxonia 09 im Jahr 1934 durch die NSDAP verboten. Fast alle Mitglieder schlossen sich daraufhin dem „TuS Westfalia Jahn an“, der zu dieser Zeit erlaubt blieb. Unter diesem Namen wurde der Sportbetrieb auf dem Saxonenplatz fortgeführt.

Am 28. Oktober 1944 wurden der Sportplatz und das Clubheim durch Bombenangriffe auf Münster weithin zerstört.

Bereits im November 1945 beschlossen verbliebende und überlebende Mitglieder im Bootshaus des „Rudervereins Münster“ die Fortführung des Vereins unter dem nunmehr neuen und bis heute gültigen Namen „TUS Saxonia Münster von 1883“. Sportplatz und Clubheim wurden erneut in Eigenregie wieder aufgebaut, Fußbälle und -schuhe wurden über die britische Besatzungsmacht organisiert, Baracken (sogenannte „Nissenhütten“) dienten als Umkleideräume und Wehrmachtsfahnen wurden zu Trikots umgeschneidert.

Eine Festschrift „75 Jahre Fußballabteilung TUS Saxonia Münster“ aus dem Jahre 1984 erwähnt fast nebensächlich einen 4:1 – Sieg der Saxonen über Schalke 04 (!) aus dem Jahr 1946 (!!). Näheres wird leider verschwiegen.

Die ersten, die den Spielbetrieb wieder aufnehmen konnten, waren Saxonias Handballer, die Abteilung löste sich allerdings 1971 auf. Ab 1948 rollte nach umfangreichen Arbeiten der Mitglieder am Spielgelände dann auch endlich wieder der Fußball, TUS Saxonia wurde der 1. Kreisklasse zugeteilt. Besonders die Fußballjugend konnte in der Nachkriegszeit mit Erfolgen glänzen, als Stadtteilverein für Münsters Osten und besonders „Klein-Muffi“ betrieb der Club herausragende Nachwuchsarbeit. Davon profitierte nicht zuletzt die 1. Mannschaft. 1950 stieg diese in die Bezirksliga auf, 1956 sogar in die Landesliga, die bis heute höchste erreichte Spielklasse. Bis zu 3.000 „Schlachtenbummler“ strömten seinerzeit in die August-Schepers-Straße und nur knapp wurde der der Aufstieg in die Verbandsliga verfehlt.

Der langjährige Vorsitzende Werner May schrieb in einer Festschrift zum 125-jährigen Bestehen des Vereins im Jahre 2008 über diese aus heutiger Sicht entbehrungsreichen Jahre: „Meine Zeit beim TuS Saxonia Münster begann vor 50 Jahren als 11-jähriger Jugendspieler in der Fußball-D-Jugend. Die Sportverhältnisse waren seinerzeit mehr als bescheiden. Lediglich ein unebenes Spielfeld mit schwarzer Schlacke übersäht stand allen Mannschaften zur Verfügung. Umkleide- und Duschmöglichkeiten gab es nur in niedrigen, dunklen und schmuddeligen Kellerräumen. Trikots mussten von den Eltern angeschafft werden. Bälle einfachster Art waren Mangelware. Für alle Mannschaften inklusive aller Jugendmannschaften gab es nur einen Trainer. Auch noch 10 Jahre später trainierte ein Trainer drei Seniorenmannschaften. Dem Verein standen nur geringe finanzielle Mittel zur Verfügung. Trotz dieser für heutige Verhältnisse widrigen Umstände haben die Spieler großen Spaß an ihrem Sport gefunden und sich sportlich prächtig weiterentwickelt.“

1963 wurde der Platz neu gebaut und ein kleiner Trainingsplatz geschaffen.

Weitere erfolgreiche Jahre folgten in den 1970ern, als es gegen Greven 09 zum Entscheidungsspiel um den Aufstieg in die Landesliga ging. Das 1:1 reichte am Ende leider nicht, aber wiederum 3.000 Zuschauer hatten sich zum „Showdown“ eingefunden.

Ab den 50er Jahren etablierte sich eine „Altherren“-Mannschaft und unter dem Vorsitzenden Berthold Wahlich, der sein Amt von 1977 bis 1984 ausübte, wurde aus dem inzwischen zum reinen Fußballverein mutierten TUS Saxonia wieder ein Sportverein mit breitem Angebot, denn hinzu kamen eine Volleyball- (ab 1973), eine Tischtennis- (ab 1982) und eine Breitensport-Abteilung. Die Mitgliederzahlen wuchsen dementsprechend. Was wiederum zu Platzproblemen führte, die 1981 zumindest teilweise gelöst werden konnten, indem die Stadt Münster dem Verein ein Tennisspielfeld übergab und die vorhandene Rasenspielfläche komplett erneuerte, inklusive dem Bau neuer Umkleidekabinen. Bis dahin hatten sich die Saxonen im Keller des Vereinsheims umgezogen und geduscht.

In den 80er-Jahren konnte Saxonia seine Angebotspalette erneut erweitern. So kam ab 1985 die erste Damen-Fußballmannschaft hinzu und entwickelte sich zwischenzeitlich zu einem der Aushängeschilder Münsters. Im Zuge der Errichtung des Tennisplatzes wurde 1987 dann die Tennisabteilung gegründet. Wiederum in Eigenarbeit entstanden drei weitere Plätze sowie ein schmuckes Vereinsheim. Später kamen auch noch eine Badminton- und eine inzwischen wieder aufgelöste Kung-Fu-Abteilung hinzu.

Im Oktober 1998 wurden die Umkleidekabinen durch ein Feuer zerstört. Zwei Jahre später begann der Um- und Ausbau des Vereinsheims, wie so oft erneut überwiegend in Eigenleistung.

In den Nullerjahren erlebte gerade der Jugendfußball eine Renaissance bei TUS Saxonia Münster. Die Zahl der Mannschaften und Mitglieder stieg. Endlich bekam der Verein auch den ersehnten Kunstrasenplatz anstelle des Tennenplatzes. In 2020 wurden die Kabinentrakte ein weiteres mal erneuert, sowie ein Beachvolleyball- und ein Bouleplatz errichtet.

Den wohl prominentesten Trainer der Vereinsgeschichte konnten in der Saison 2007/08 die Damen bei TUS Saxonia begrüßen: Der 185-fache Bundesligaspieler Manfred Pohlschmidt (Preußen Münster, Hamburger SV, Schalke 04) übernahm als Coach! Er führte die Damen bis in die Westfalenliga.

Wenig bekannt ist, dass die Preussen-Legende und Nationalspieler Felix „Fiffi“ Gerritzen nach seiner Zeit als Stürmer bei den Adlerträgern seine Karriere bei TUS Saxonia ausklingen ließ. Hier spielte er immerhin noch sieben Jahre von 1957 bis 1964.

Wahrscheinlich noch bekannter ist ein anderer ex-Nationalspieler, der in jungen Jahren ebenfalls seine Fußballschuhe für TUS Saxonia schnürte: Erwin Kostedde. Er war zu Höherem berufen und so zog es ihn über die Zwischenstation Preussen Münster später u.a. zu Standard Lüttich, Borussia Dortmund und Werder Bremen.

Auch Harald Kügler, später Profi bei u.a. Schalke 04, Alemannia Aachen und Wattenscheid 09, war in seiner (Fußball-)Jugend ein Saxone. Ebenso wie der frühere Radrennprofi Linus Gerdemann, der ebenfalls für Rot-Weiß auf dem Platz stand, bevor er sich für die Pedalen entschied.

Auch heute beginnt manche Karriere an der August-Schepers-Straße, so wechselte jeweils ein Akteur aus dem Jahrgang 2003/04 zum BVB nach Dortmund, der andere zum Ruhrgebiets-Konkurrenten Schalke 04.

Am 21.09.2020 konnte ein weiterer Meilenstein überwunden werden. Seit diesem Tag zählt der Verein mehr als 1000 Mitglieder die uns zu einer der größten Gemeinschaft im Stadtgebiet Münster gemacht haben.